Lt. Col. Thileepan – Ein Symbol der Entschlossenheit und des Friedens

Wenn wir die Namen von Gandhi oder Martin Luther King hören, assoziieren wir zumeist Begriffe wie Freiheit, Gleichberechtigung oder denken an einen friedlichen Widerstand. Historisch bedeutsame Personen wie diese erinnern uns auch heute daran, die Ungerechtigkeit und das Leid in der Welt zu stoppen. Einer, der dieses wagte, ist Thileepan Anna. Thileepan Anna ist ein Besonderer dieser Kategorie. Wenn Eelamtamilen den Namen Thileepan hören, spüren sie die Entschlossenheit und den Stolz, den Thileepan mit sich trug. Eine Person, die in einer selbstsüchtigen Welt mit seinem selbstlosen Handeln Begeisterung und Anerkennung nicht nur beim eigenen Volk erntete. Seine selbstlose Hingabe und sein Engagement, um für die Tamilen eine Lösung zu erreichen, inspirieren und prägen das gesamte tamilische Volk. Der Medizinstudent Rasiah Parthipan, auch bekannt als Lt. Col. Thileepan, war während der Intervention der indischen Peace Keeping Force (IPKF) der Anführer des politischen Flügels der Tamilen.

Der Indo-Lanka Pakt zwischen dem indischen Premierminister Rajiv Gandhi und dem sri-lankischen Präsident J.R. Jeyawardene wurde 1987 unterschrieben, der ein Ende des nationalen Bürgerkrieges und die Sicherheit, das allgemeine Wohl und den Wohlstand der Tamilen zusichern sollte. Die Eelamtamilen hofften, dass sich ihre Lage unter der IPKF in Sri Lanka verbessern würde. Im Gegenteil, trotz der Waffenniederlegung bzw. Abgabe an die IPKF seitens der Tamilen hat es keine Fortschritte für den Frieden auf Sri Lanka gegeben. Im Zuge dessen ist die indische Armee in tamilische Gebiete einmarschiert, nicht um des tamilischen Wohles wegen, sondern um die Freiheitsbestrebungen der Tamilen zu unterdrücken und zu beenden.

Auf Ghandis Spuren des friedlichen Widerstandes begann Thileepan am 15. September 1987 um 9:30 Uhr am historischen Hindu Tempel in Nallur seinen Hungerstreik bis in den Tod. Sein Hauptziel war es Aufmerksamkeit zu erzeugen und das Leiden seines Volkes ein Ende zu setzen. Dazu formulierte er folgende Forderungen:

1. Unterbindung weiterer Polizei- und Militärstationen sowie Entmilitarisierung im Norden und Osten der Insel seitens der sri-lankischen Regierung

2. Rückzug der sri-lankischen Armee und Polizei aus den Schulen in tamilischen Dörfern und die Entwaffnung der sogenannten regierungstreuen „Home Guards“ durch die IPKF.

3. Freilassung aller Tamilen, die ohne konkrete Anschuldigung und Anklageerhebung unter dem „Prevention of Terrorism Act“ festgehalten werden.

4. Sofortige Unterbindung der Kolonialisierung von Singhalesen in tamilische Gebiete unter dem Deckmantel der Rehabilitation bis eine Übergangsregierung im Norden und Osten der Insel geformt ist.

Trotz der vielen Appelle, die Lage der Tamilen zu verbessern, gab es keine Intervention durch die IPKF. Thileepan führte stattdessen sein Fasten bis zu seinem Tod am 26. September 1987 fort und wurde zum Symbol des tamilischen Widerstands. Seine letzten Worte waren: “Ich bin zuversichtlich, dass unser Volk eines Tages die Freiheit erlangt. Es gibt mir eine große Zufriedenheit und Genugtuung, dass ich meiner nationalen Verantwortung meiner Nation gegenüber gerecht werde.“

Heute noch leiden die Eelamtamilen unter einer gewaltsamen singhalesischen Militärbesetzung ihres traditionellen Heimatgebietes. Das omnipräsente Militär und die Singhalisierung traditionell tamilischer Gebiete beeinträchtigen große Teile des alltäglichen Lebens, beispielsweise durch die Übernahme der lokalen Landwirtschaft sowie die Fischerei, durch Lehraufträge in Schulen und dem Betrieb von Hotel- und Gastgewerbe. Das Anti-Terror-Gesetz erlaubt den sri-lankischen Sicherheitskräften weiterhin unter Verdacht stehende Regimekritiker zu verhaften und sie ohne Kontakt zur Außenwelt einzusperren – und das über lange Zeit, ohne offiziell Anklage zu erheben oder ein Gerichtsverfahren einzuleiten.